Katharina Bodenmüller

CV

     2020             B.F.A. Bildhauerei (mit Auszeichnung) 

     2019-2020    Deutschlandstipendium

     2016-2020    Studium der Bildhauerei bei Prof. Milo Köpp

                                                          und Prof. Yevgeniya Safronova

                          Hochschule der bildenden Künste (HBK) Essen

     2016             halbjähriger Arbeitsaufenthalt, Bali/Indonesien

seit 2012             Mitglied im Atelierhof, Düsseldorf

 

Ausstellungen 

     2020            "Uneben", CDU Fraktion im NRW Landtag, Düsseldorf

     2020            "noch näher", PrimaCenter, Berlin

     2019            "Sino-German Art Exhibition", Hismoon Gallery, Taichang, China

     2019            "Vor Ort", Maschinenhalle auf Zeche Fürst Leopold, Dorsten                      2018            "Kein Gottesdienst", Johanneskirche, Essen

     2018            "Arbeitsplatz Kunst - Im Garten", Meerbusch

     2018            "Art & Cars – Art of Nedschroef" (Preisträger), HBK Essen       

     2017            "Sommersalonsammelsurium", Galerie plan.d., Düsseldorf
     2017            "Kunstmeile Rodenkirchen", Köln Rodenkirchen

     2016            "Künstlerinnen treffen Hildegunde", Alter Güterbahnhof, Meerbusch 

     2015            "Wechselstube - open", St. Jacobi Kirche, Hamburg

     2015            "Gute Köpfe", Atelier Werksetzen, Düsseldorf

     2015            "Temporaires Atelier", Luegallee, Düsseldorf

     2013            "Innen und Aussen", Gaulke, Hamburg

     2012            "Marmor, Stein und Eisen spricht", Atelier Werksetzen, Düsseldorf

     2012            "Plastische Arbeiten im Fronhof", Galerie Kunst im Fronhof, Meerbusch

   

 

 

 

 

Artist Statement

Im Zentrum meines künstlerischen Interesses steht der menschliche Körper.

Durch den Prozess des Zeichnens nähere ich mich ihm an. Wieder und wieder zeichne ich die gleichen Menschen, oft in den selben Posen, viele bereits seit Jahren und fast immer als Akt.

Ich verinnerliche so das Gesehene, die Form, die Volumina, die Bewegung und die Position der Figur im Raum.

Dabei richtet sich mein Interesse oft auf Ausschnitte, bestimmte Partien der Körper.

Indem ich diese isoliere, wird es mir möglich zu klären, ob ich die Vorstellung des ganzen Körpers latent reflektieren kann, oder der Versuch den Körper als Ganzes denken zu wollen an Wichtigkeit verliert, da sich der dargestellte Teil als eigenständig zeigt. Hierbei bleibt mir bewusst, dass das als Ganzes empfundene doch immer ein Fragment bleibt, betrachtet man es als Teil seiner Umgebung.

So messe ich im Umkehrschluss einem Fragment die gleiche Qualität zu wie dem scheinbar Ganzen.

Die Zeichnungen werden zum Ausgangspunkt meiner bildhauerischen Arbeiten.

Ich arbeite vorwiegend mit der Abformung von Fragmenten des menschlichen Körpers.

Mit Hilfe einer Abformmasse erstelle ich den Negativabdruck einer Körperpartie. Dieses Negativ gibt mir die Möglichkeit ein Postiv zu produzieren. Dabei interessiert mich der unmittelbare Bezug zum Realen, der entsteht, indem ich einen Körper oder ein Körperteil in eine Trägermasse drücke und dies so als einen von mir gestalteten Moment festhalte. Die Abformung als Ausdruck einer vergangenen Realität, die zugleich ein Ausschnitt des Körpers und der Zeit ist.

Seit der Renaissance wurde der Torso als Produkt des Zufalls geschätzt. Erst Rodin aber erhob ihn zum künstlerischen Prinzip und suchte in seiner unvollendeten Form die Suggestionskraft, die das Einzelteil für ihn starker besaß als das Vollendete.

Das Weglassen bestimmter Körperpartien konzentriert den Blick und das Gefühl auf das, was übrig bleibt oder auch auf das, was fehlt.

Im Fragment wird in verdichteter Form die Körperlichkeit und ihre Aussage zum Ausdruck gebracht. 

Indem ich überwiegend klassische Materialien wie Gips, Wachs und Beton, gelegentlich Bronze verwende, nehme ich die Farbigkeit zurück und lasse die Materialfarbe zum natürlichen Bestandteil der Gestaltung werden. Diese reduzierte Farbigkeit schafft Konzentration, da sie mich zwingt, mich ganz auf die Form zu fokussieren, mich auf sie zu verlassen.

Um meine Figurationen in der Realität zu verankern, lasse ich zu, dass die Arbeitsspuren sichtbar bleiben. Sie dokumentieren sowohl den Prozess der Entstehung, als auch meine Verbindung zu diesen Arbeiten, gewissermaßen meinen Handabdruck.

Ich richtete meinen Blick intensiv auf den eigenen, vertrauten, weiblichen Körper.

Ich gliedere und zerlege ihn. Versuche seine Funktion und Möglichkeiten bildhauerisch zu überprüfen, seine Beziehung zum Raum zu bewerten. Ich teste seine Grenzen und die Wirkung einer Begrenzung auf ihn.

Oftmals suche ich dies zu erreichen, indem ich den abgeformten Elementen des Körpers konstruktive Elemente zuordne. Sie übernehmen Charakteristika des Körpers oder die des umgebenden Raumes, machen sie deutlich und sichtbar. So kann die Statik der Figur etwa von einer Gewindestange übernommen werden, die Möglichkeit einer Bewegung durch eine Feder oder ein mechanisches Gelenk, die Position im Raum bestimmt sein durch ein Drahtseil.

Einfangen mochte ich den Moment, die Sekunde eines sinnlichen Erlebens. Die Flüchtigkeit eines kurzen, noch unreflektierten Augenblicks. Dann bleibt der Moment selbst unvollendet, fragmentarisch, lädt ein ihn weiterzudenken um seinen Sinn zu ergründen. So wird es möglich, ihn in die eigene, neue Wirklichkeit zu transferieren und einzupassen.

Dabei interessieren mich Emotion und Intuition, die für mich eine besondere Wahrheit bilden, jenseits des Rationalen. Ich versuche Situationen zu erzeugen, in denen das Erfassen nur mit Sinnen möglich ist, das Unterbewusstsein das Bewusste überwindet. 

Katharina Bodenmüller